Begabtenförderung in der Kampfkunstschule Tetzlaff

05.12.2019 15:15

Sven Tetzlaff, Inhaber der „Kampfkunstschule Tetzlaff“ in Soest, setzt in seiner Trainingskonzeption auf eine besondere Art der Begabtenförderung, die nicht nur die sportlich begabten Schüler anspricht. Tetzlaff will in seinen Trainingseinheiten nicht nur die Bewegungen und Tricks der unterschiedlichen Kampfkünste transportieren, sondern legt viel Wert auf eine ganzheitliche Persönlichkeitsbildung.

Beginnend damit, dass es für die Schüler einen eindeutigen und an respektvollem Miteinander orientierten Verhaltenskodex gibt: Schüler sind zum Beispiel angehalten, eigenverantwortlich ihre Trainingsanzüge sauber und faltenfrei zu halten. Sie haben sich dem jeweiligen Trainer oder Meister respektvoll zu nähern, bloßes „hineinrufen“ wird nicht toleriert. Ebenso verfolgen die Trainer eine klare Strategie gegen Ausgrenzung und Mobbing, Fäkalsprache und zu spätes Eintreffen beim Training werden sogar mit kleinen Zusatzaufgaben „geahndet“. Dies allein jedoch macht die Konzeption noch nicht besonders. Besonders ist, dass Tetzlaff seine Schüler sehr genau beobachtet und jeden einzelnen seiner Schüler da stärkt, wo es notwendig ist und dort fordert, wo dieser zu höheren Leistungen in der Lage ist.

Die Philosophie der Kampfkunst, die „Tugenden des KungFu“ wie Respekt, Bescheidenheit, Vertrauen, Loyalität und Beharrlichkeit, nehmen einen großen Teil der Ausbildung ein. Altersgerecht werden die philosophischen Hintergründe aufgegriffen, so dass am Ende schon die Kleinsten die abstrakten Begrifflichkeiten verstehen und in ihr persönliches Handeln einbeziehen können. Durch stetige Wiederholungen und den Transfer der Ansprüche auf alltägliches Erleben der Kinder, festigen sich die Lehrinhalte besonders gut.

Für besonders interessierte und begabte Schüler bietet die Kampfkunstschule ein transparentes und nachvollziehbares Ausbildungsprogramm an, in dem sich natürlich nicht nur hochbegabte Schüler finden, das aber besonders für diese geeignet ist. In diesem Ausbildungsprogramm wird es den Schülern, die sich tiefer in die Materie begeben möchten, ermöglicht, sich intern fortzubilden. Es werden Technik-Seminare angeboten, Kampfrichterschulungen durchgeführt und eine mehrstufige Ausbildung zum „Junior-Assistenten“ angeboten. Vor allem bei den „Junior-Assistenten“ finden sich einige begabte und hochbegabte Kinder. In dieser Ausbildung werden wiederum ethische Aspekte großgeschrieben. Neben sportlichen Übungen wird viel diskutiert, Raum zur Reflektion des eigenen Erlebens steht zur Verfügung und eine wertschätzende Rückmeldung aus der Gruppe erfolgt. Das Anforderungsniveau der Kurse ist variabel, so dass sowohl Unter- als auch Überforderung ausgeschlossen werden. Vor allem für Kinder, die aufgrund von Unterforderung oder anderen Problemen in der Schule temporär oder sogar dauerhaft auf echte Erfolgserlebnisse verzichten müssen, ist diese Art der Schulung und des Trainings eine echte Bereicherung. Nach dem Motto „Erfolg macht erfolgreich“ ist es hier allen Kindern möglich, auf sehr positive Art Selbstwirksamkeit zu erleben.

Im Laufe der Ausbildung zum „Junior-Assistenten“ werden den Kindern sukzessive neue Aufgaben zugeteilt, die sie in echten Trainingssituationen – natürlich begleitet von erwachsenen Trainern – ausprobieren können. Die „Junior-Assistenten“ werden eingesetzt, um Anfänger zu trainieren und ihnen erste Werte und Grundlagen der Kampfkunst zu vermitteln. Für diese ersten Schritte dürfen sich die „Junior-Assistenten“ eigene Lehrinhalte überlegen und diese ausprobieren. Die Tätigkeit als „Trainernachwuchs“ und erster Ansprechpartner für Anfänger schult die teilnehmenden Jugendlichen und Kinder nicht nur darin, Wissen weiterzugeben, sondern lässt ihnen auch Raum, auf unvorhergesehene Situationen mit Kreativität und neuen Ideen zu reagieren.

In der Kampfkunstschule findet inklusiver Unterricht statt, dass heißt, dass behinderte und nichtbehinderte Kinder gemeinsam trainieren und angeleitet werden. Und auch hier spielen die „Junior-Assistenten“ eine wichtige Rolle und lernen so, jeden Menschen in seiner Unterschiedlichkeit zu respektieren und auf Problemlagen zu reagieren, die eine so heterogene Gruppe von neuen Schüler mit sich bringt.

Mir ist klar, dass bei diesem Konzept nicht die klassische Begabtenförderung im Vordergrund steht, jedoch ist der offene, integrative Gedanke vor allem für begabte und hochbegabte Kinder und Jugendliche sehr bereichernd.

Text von Patrizia Frank, Autorin und ECHA-Coach, Mutter von Max Frank, Schüler der Kampfkunstschule Tetzlaff.


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