Zehn Antworten auf die zehn häufigsten Fragen von angehenden Dojoleitern

Basierend auf E-Mails, Gesprächen und durchgeführten Seminaren habe ich über die vergangenen Jahre einen umfangreichen Fragenkatalog angelegt. Auch wenn sich die Formulierungen hier und da ändern, bleiben die Herausforderungen für Neu-Dojoleiter doch immer ähnlich, teilweise sogar die Gleichen. In diesem Beitrag habe ich die Antworten und Lösungsansaätze zu den häufigsten Fragen von angehenden Dojoleitern aufgeführt.

Meine Lösungsansätze für die  größten Herausforderungen von angehenden Dojoleitern sind ganz sicher keine allgemein gültigen Erfolgsrezepte, sollen  jedoch Denkanstöße geben.

Wie soll ich meine Kampfsportschule starten, wenn mir das unternehmerische Know-how fehlt?

Du hängst dich daran auf, nicht das große Ganze zu sehen, sondern dich mit kleinen Details zu beschäftigen.
Frage: Wie erstelle ich eine Webseite? Muss ich mein Gewerbe anmelden? Was passiert, wenn ich ein geschütztes Foto im Internet falsch verwende?

Lösungsansatz: Mit Baukasten-Webseiten kann man ganz einfach seine eigene Webseite erstellen. Das Tool Coachy für den Verkauf von Videokursen ist sehr praktisch für Dojo-Anfänger. Mit dem kostenfreien Online-Tool Klick Tipp kann man einfach Newsletter versenden. Grundsätzlich finden sich diverse günstige und kostenfreie Diensten im Internet zur Verfügung. Es sind entsprechend keine Programmierkenntnisse oder ein BWL-Studium notwendig.

Wie schafft man es sich nicht in der Vielzahl an Informationen zu verlieren?

Problem: Das “Shiny Object Syndrom” sorgt dafür, dass du von einem Thema in das nächste springst und dich eventuell zu leicht von deinem eigentlichen Projekt ablenken lässt. Es kann durchaus Schwierigkeiten sich zu fokussieren, weil es einfach zu viele Optionen gibt.

Lösungsansatz: Meiner Erfahrungen nach sind die meisten Dojoleiter an mehreren Kampfkünsten interessiert. Sie sind in diesem Bereich Multi-Potentials und lassen sich schnell stimulieren. Diese Neugier beizubehalten empfinde ich für sehr wichtig. Genauso wichtig ist es natürlich, sich auf ein Projekt zu konzentrieren.

Mache dir am besten einen Lernplan. Dort schreibst Du für jede Woche oder jeden Monat rein, welche Fähigkeiten Du erlernen willst bzw. musst. Mache z.B. eine Jimdo Testwebseite und erstelle dann Deine erste richtige Webseite. In der folgenden Woche sollte dann die nächste Informationslücke gefüllt werden.

Ich habe zu  viele Ideen mein Dojo zu starten. Wie soll ich denn nun entscheiden?

Problem: Man hört aus den Medien und dem eigenen Umfeld, dass Krav Maga aktuell die Trend-Kampfsportart sei. Dann heißt es wiederum, dass Wing Tsun im Kommen sei. Doch eigentlich möchte man doch eine klassische Karateschule gründen und ein spezielles Lehrprogramm schreiben. Was nun?

Lösungsansatz: Wie gesagt, ist es völlig in Ordnung, viele Dinge auszuprobieren. Der Schlüssel liegt dabei in der wirklichen Umsetzung. Nach spätestens einem Monat muss Klarheit darüber bestehen, ob du dein Projekt wirklich angehst oder dieses verwirfst. Generell wird zunächst dazu geraten mit einem Modell zu beginnen, das ein sicheres Einkommen einbringt.

Wie finde ich meine Leidenschaft und eine solide Schulstruktur?

Problem: Du willst etwas machen, was Dir Spaß bringt, anderen Menschen hilft und gleichzeitig Geld einbringt. Dir fehlt es jedoch an der richtigen Idee oder du weißt nicht genau, ob du damit Geld verdienen kannst.

Lösungsansatz: Deine Leidenschaften sind Dinge, die du ununterbrochen machen kannst, bei denen du nie den Spaß verlierst und von denen du Deinen Freunden andauernd erzählst. Für eine gute Schule reicht diese nicht aus. Diese basiert auf der Schnittmenge deiner Fähigkeiten, deiner Leidenschaft und ausreichender Nachfrage am Markt.

Die Trennung zwischen Passion- und Money-Projects (Geld vs. Leidenschaft) funktioniert, indem sich zuerst darum bemüht wird, mit dem eigenen Dojo ein Grundeinkommen zu verdienen. Dann kann man später mit weniger finanziellem Druck sich um seine große Leidenschaft kümmern.

Wie lange dauert es bis ich mit meiner Kampfsportschule Geld verdiene?

Problem: Du brauchst so schnell wie möglich Geld und bist Dir unsicher, ob und wann deine Schule die ersten Erträge abwirft. Diese Unsicherheit löst Zweifel aus und sorgt dafür, das du weniger gut bezahlte Trainer-Jobs annimmst.

Lösungsansatz: Du kannst Dir sicher denken, dass es keine allgemeingültige Antwort auf diese Frage gibt. In jedem Fall solltest du entweder genügend Ersparnisse für mindestens sechs Monate haben oder dich gut als Kampfsportlehrer/-Trainer verkaufen können, um so nebenbei dein Einkommen aufzubessern.

Ich möchte dir dennoch ein paar Anhaltspunkte geben, die auf meiner Erfahrung basieren. Mit einem Dojosatelliten solltest du mindestens ein Jahr einplanen, um über 2.000 Euro im Monat zu verdienen. Mit einem solchen Dojosatelliten wirst du schon nach wenigen Monaten Einnahmen verzeichnen, die du dann ausbauen kannst.

Wie verdiene ich Geld in der Übergangszeit zwischen Anstellung und Kampfkunstschule?

Problem: Du möchtest dein sicheres Festeinkommen gegen das risikobehaftete Unternehmertum eintauschen, weißt aber, dass bis zum ersten vollwertigen Einkommen ein paar Monate oder sogar Jahre vergehen können.

Lösungsansatz: Im Grunde hast Du zwei Optionen: Du sparst dir ein finanzielles Polster an, um die Durststrecke zu überstehen oder du bereitest deinen Ausstieg aus der Festanstellung gut vor.

Tipp: Fange bereits vor der Selbständigkeit damit an, nebenbei an eigenen Projekten zu arbeiten.

Woher soll ich die Zeit nehmen, um nebenbei eine Kampfsportschule aufzubauen?

Problem: Du hast zwei kleine Kinder, einen Vollzeitjob und zeitintensive Hobbies. Oder Du bist als Student mit einem Nebenjob und Prüfungsstress vollkommen ausgelastet. Wie Du es auch drehst, Dein Tag hat eben nur 24 Stunden.

Lösungsansatz: Zeitmanagement bedeutet, Prioritäten richtig festzulegen. Wenn dir der Aufbau eines Dojos wirklich wichtig ist, dann musst du (zumindest vorübergehend) die Zeit für andere Dinge minimieren. Dazu zählen Hobbies, Fernsehen, Freunde und Familie, aber auch sinnloses Surfen im Internet oder die Wochenarbeitszeit deiner Festanstellung.

Plane jeden Morgen oder Abend 1-2 Stunden für die Umsetzung deiner Kampfsportschule ein. Zu dieser Zeit hättest du wahrscheinlich Zeitung gelesen, hast mit Freunden ein Bier getrunken oder Fern gesehen. Gewiss ist: Du wirst es nicht schaffen, ohne kleine Opfer zu bringen.

Wann weiß ich, ob ich gut genug vorbereitet bin und wie schaffe ich es einfach zu beginnen?

Problem: Du hast ein paar gute Ideen im Kopf, hast dir bereits Informationen eingeholt und Bücher zum Thema gelesen. Jedoch fühlst du dich immer noch nicht gut genug vorbereitet, was dich daran hindert, den ersten Schritt zu gehen.

Lösungsansatz: Gerade die Perfektionisten unter uns werden sich nie wirklich gut vorbereitet fühlen. Sie verlieren sich in kleinen Details und damit auch den Blick auf das große Ganze. Akzeptiere den Fakt, dass es zu Fehlern kommen wird. Du wirst mit neuen Herausforderungen wachsen, jedoch nur, wenn du bereit bist, den Sprung zu wagen.

Ein guter Anhaltspunkt für mich ist die 80/20-Regel, die besagt, dass Du mit 20 Prozent Einsatz 80 Prozent Output erzeugst. Sobald du dich in ein Thema eingearbeitet hast (20 Prozent), solltest du loslegen und wirst die Feinheiten auf dem Weg lernen.

Mir fehlen spezielle Kenntnisse aber wie soll ich Aufgaben outsourcen, wenn ich am Anfang kein Geld dafür habe?

Problem: Dir fehlt es in gewissen Bereichen an Expertise, die du gerne einkaufen würdest (z.B. Mitgliederverwaltung, Web-Designer). Dein Dojo verdient noch kein Geld, wodurch wiederum das Outsourcing nicht in Frage kommt.

Lösungsansatz: Generell kann mit der Auslagerung von Aufgaben gar nicht früh genug angefangen werden. Dabei ist es ganz normal, dass zu Beginn einer Gründung das Budget nicht so groß ist. Dennoch sollte ein großer Bestandteil der unternehmerischen Denkweise darin bestehen in Vorleistung zu gehen und sich dabei nicht vor Risiken zu scheuen.

Wenn absolut keine Rücklagen und auch kein Startkapital vorhanden sind, dann gibt es auch andere Möglichkeiten. Eine Idee wäre es Partner mit ins Boot zu holen, die genau die passende Expertise haben, nach der man suchst. Diese werden nicht per Auftrag bezahlt, sondern an den zukünftigen Umsätzen beteiligt.

Eine andere Option ist es einen Barter-Deal einzugehen, das heißt Dienstleistungen zu tauschen. Vielleicht bist du ein sehr guter Personal-Trainer und kannst diese Leistungen beispielsweise einer(m) Designer/in anbieten, die dir im Gegenzug ein Logo für deine Webseite erstellt.

Wo finde ich Gleichgesinnte für einen regelmäßigen Austausch?

Problem: Du arbeitest in deinem Dojo und hast wenig Kontakt mit anderen Schulleitern. Jedoch ist ein Austausch unter Kolleginnen und Kollegen für die eigene Entwicklung von enormer Bedeutung. Jetzt gilt es lediglich, Möglichkeiten zum Austausch zu finden.

Lösungsansatz: Ein guter Start zum Kennenlernen von anderen Schulleitern ist das Kampfkunstkollegium. Der nächste Schritt wäre beispielsweise eine Mitgliedschaft im Kollegium oder die Teilnahme an einem der angebotenen Seminare zum Kennenlernen.

Dieser Fragenkatalog lässt sich beliebig erweitern. Vor allem die Themen Steuern, Versicherungen und andere bürokratische Hürden stellen Herausforderungen dar. Man sollte sich nicht am Anfang von all dem aufhalten lassen, sondern sich auf den Fortschritt der eigenen Dojo-Gründung konzentrieren. Alle anderen Probleme können  dann beseitigt werden, wenn sie tatsächlich anstehen.

Ich hoffe ich konnte dir einige Denkanstöße geben. Wenn Du alternative Lösungsansätze hast oder deine Fragen gefehlt haben, dann freue ich mich sehr über einen Kommentar.